top of page

Motorradreise 2018 – So fing alles an

Autorenbild: Dennis Grebe
Dennis Grebe
vor 6 Tagen
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen


Manchmal beginnen die besten Reisen nicht mit einem perfekten Plan, sondern einfach mit einer Idee.

2018 war es bei uns so weit. Mein guter Freund Markus und ich waren schon viele Jahre gemeinsam mit dem Motorrad unterwegs. Hier im Sauerland kannten wir genügend schöne Straßen und Kurven – aber irgendwann wollten wir mehr.

Wir wollten mal richtig in die Berge.

Nicht morgens los und abends wieder zu Hause sein, sondern die Motorräder packen und mehrere Tage unterwegs sein. Irgendwie hatten wir uns Nizza als Ziel ausgesucht.

Warum ausgerechnet Nizza?

Keine Ahnung. Es klang weit weg, nach Süden – und irgendwie nach Abenteuer.

Markus auf seiner Yamaha FZ8, ich auf meiner Triumph Street Triple 675. Zwei ganz normale Straßenmaschinen, ein paar Klamotten, Lederkombi und nicht einmal eine Regenkombi.

Viel geplant hatten wir nicht. Nur das Datum und die Länge der Reise standen fest. Markus hatte vier Hotels vorgebucht – was sich später als eher unpraktisch herausstellen sollte. Ich kümmerte mich um die grobe Route und hatte mich vorher ein wenig über die französischen Seealpen informiert.

Der Rest sollte spontan entstehen.

Und dann ging es einfach los.

Das Grinsen unter dem Helm

Wir starteten bei bestem Wetter Richtung Süden. Als die ersten großen Berge vor uns auftauchten und es den ersten richtigen Pass hinaufging, wussten wir sofort:

Genau dafür sind wir hergekommen.

Dieses Grinsen unter dem Helm hörte gar nicht mehr auf.

Für zwei Motorradfahrer aus dem Sauerland war das eine neue Welt. Endlose Auffahrten, Kehren, gewaltige Berge und hinter jeder Kurve ein neuer Ausblick.

Erst später wurde uns richtig bewusst, was für eine fantastische Strecke wir da erwischt hatten: große Teile der Route des Grandes Alpes.

Bis heute gehört sie für mich zu den schönsten Motorradrouten Europas.

Wir fuhren über großartige Pässe wie den Col du Galibier und den Col de la Bonette, über die Route Napoléon, durch beeindruckende Schluchten, unter Felsvorsprüngen hindurch und an Flüssen entlang.

Und natürlich: Kurven ohne Ende.

Unsere Tage waren herrlich unkompliziert. Morgens frühstücken, Motorräder beladen und los. Unterwegs anhalten, wenn uns danach war, abends ein einfaches Hotel suchen, gut essen und über den Tag reden.

Genau so hatten wir uns das vorgestellt.

Bis sich plötzlich alles änderte.

Eine Kurve verändert die Reise

In einer Kurve lief Wasser von einem kleinen Wasserfall über die Straße. Markus verlor darauf die Haftung und stürzte.

Seine Yamaha war schwer beschädigt – Totalschaden.

Markus hatte zum Glück nur Prellungen. Das Motorrad war in diesem Moment völlig nebensächlich. Hauptsache, ihm war nichts Schlimmeres passiert.

Als wäre der Unfall nicht genug, zog kurz darauf auch noch ein heftiges Gewitter auf.

Und dann hatten wir unglaubliches Glück.

Ein Lkw kam vorbei, dessen Besatzung Deutsch sprach und ebenfalls Richtung Nizza unterwegs war. Die Leute halfen uns, die kaputte Yamaha aufzuladen, und nahmen Markus mit.

Ich fuhr mit der Triumph hinterher. Wegen des heftigen Regens und Gewitters musste ich allerdings vor Nizza abbrechen und mir dort ein Hotel suchen.

Am nächsten Tag trafen wir uns wieder und ließen die Yamaha zu einer Werkstatt bringen. Doch die benötigten Teile waren nicht verfügbar.

Für Markus war die Reise damit leider vorbei.

Er flog zurück nach Deutschland.

Und ich stand plötzlich allein in Nizza.

Alleine weiter?

Bis zu diesem Moment waren wir gemeinsam unterwegs gewesen. Jetzt musste ich entscheiden, ob auch ich die Reise abbreche.

Mein Englisch war damals nicht besonders gut und allein im Ausland unterwegs zu sein, war für mich völliges Neuland.

Trotzdem entschied ich mich:

Ich fahre weiter.

Und genau diese Entscheidung hat für mich vieles verändert.

Ich merkte ziemlich schnell, dass man nicht perfekt Englisch sprechen muss, um zurechtzukommen. Mit ein paar Worten, Händen und Füßen und vor allem mit Freundlichkeit funktioniert erstaunlich viel.

Und wenn man nicht weiterweiß, fragt man eben.

Meistens findet sich jemand, der hilft.

Von Nizza aus fuhr ich wieder Richtung Seealpen und weiter nach Italien. Ich nahm großartige Pässe unter die Räder, erlebte fantastische Landschaften und stand auf einem Pass plötzlich sogar im Schnee.

Mittlerweile genoss ich auch die Freiheit des Alleinfahrens. Morgens losfahren, spontan die Route ändern, irgendwo anhalten und selbst entscheiden, wie weit es an diesem Tag gehen sollte.

Unterwegs lernte ich immer wieder interessante und hilfsbereite Menschen kennen.

Es läuft nicht immer alles nach Plan.

Aber meistens findet sich eine Lösung.

Noch nicht ganz nach Hause

Irgendwann musste ich mich wieder Richtung Deutschland orientieren. Aber direkt zurück ins Sauerland?

Noch nicht.

Mein Weg führte mich zunächst in den Schwarzwald nach Oberkirch.

Dorthin fahren wir mit unserer Schönauer Motorrad-Clique schon seit über 15 Jahren. Unsere Motorradpension und vor allem unsere langjährigen Freunde Gerhard Rohrer und seine Frau sind für uns über die Jahre zu einer festen Adresse geworden.

Nach den vielen neuen Orten und Erlebnissen war es schön, wieder irgendwo anzukommen, wo man die Menschen kennt.

Und Gerhard ist genau der Richtige, wenn man gerade eine große Motorradtour hinter sich hat.

Er ist selbst motorradverrückt durch und durch und fährt eine ganz besondere Fireblade. Natürlich dauerte es nicht lange, bis wir wieder gemeinsam auf den Motorrädern saßen.

So wurden aus dem geplanten Zwischenstopp noch ein paar herrliche Motorradtage im Schwarzwald. Tolle Strecken, jede Menge Kurven und abends das, was für mich genauso zu einer guten Motorradtour gehört wie das Fahren selbst:

Gut essen, zusammensitzen, erzählen, lachen – dazu das eine oder andere Tannenzäpfle und natürlich durfte auch mal ein Schnaps nicht fehlen.

Wir redeten stundenlang über Motorräder, meine Erlebnisse in den Alpen und natürlich darüber, wohin man noch überall fahren könnte.

Einfach herrlich.

So fing alles an

Als ich schließlich von Oberkirch zurück ins Sauerland fuhr, lag meine erste richtige Motorradreise hinter mir.

Eine Reise, die ganz anders verlaufen war, als Markus und ich sie uns vorgestellt hatten.

Wir waren ziemlich unbedarft gestartet, hatten grandiose Straßen und Landschaften erlebt, unglaublich viel Spaß gehabt – und dann innerhalb weniger Minuten erfahren, wie schnell sich beim Motorradfahren alles ändern kann.

Der Unfall von Markus gehörte leider dazu. Aber ebenso die Hilfsbereitschaft völlig fremder Menschen und für mich die Erfahrung, plötzlich allein weiterzumachen.

Ich hatte gelernt, dass eine Reise nicht perfekt geplant sein muss.

Dass man sich auch mit schlechtem Englisch durchschlagen kann.

Dass Probleme unterwegs meistens irgendwie zu lösen sind.

Und vor allem hatte ich gemerkt, wie viel Spaß es mir machte, mit dem Motorrad neue Länder und Landschaften zu entdecken.

Als ich wieder gesund zu Hause ankam, war deshalb eines sicher:

Das sollte nicht meine letzte große Motorradreise gewesen sein.

Im Gegenteil.

Beim Zusammensitzen mit Gerhard im Schwarzwald hatten wir schon so viel über ferne Ziele, Reisen und Motorradfahren gesprochen, dass es in meinem Kopf längst weiterging.

2018 waren Markus und ich einfach losgefahren, um einmal die Alpen zu sehen.

Am Ende kam ich mit etwas zurück, womit ich vorher überhaupt nicht gerechnet hatte:

mit dem Reisefieber.

Und damit war die nächste Frage eigentlich schon gestellt:

Wohin geht es im nächsten Jahr?



Kommentare


©2020 Tour - Rider - Dennis

bottom of page